Der Gemüseanbau in Niederösterreich

Allgemeines
Die bedeutendste Anbauregion in NÖ ist das Marchfeld, mit derzeit ca. 6500 ha Gemüseanbaufläche. Die wichtigsten Gemüsearten im Marchfeld sind Zwiebel, Grünerbse, Karotte, Spinat, Fisole; Spargel, Sellerie und Zuckermais. Nicht nur die Nähe zum Markt und die in der Region angesiedelten Gemüseverarbeitungsbetriebe sondern auch die natürlichen Produktionsvoraussetzungen fördern den Anbau in dieser Region. Die Betriebe des Marchfeldes sind produktionstechnisch auf modernstem Stand und abgesehen von den Lohnkosten, mit den Besten in Europa vergleichbar. Bedeutende Exporte bei Zwiebeln und Karotten unterstreichen die Stärke dieser Region im internationalen Wettbewerb.
Weitere klassische Gemüseanbauregionen in NÖ sind das Laaer Becken mit Zwiebelproduktion, das Gebiet um Seibersdorf mit Einschneidekrautproduktion, das Tullner Becken mit Frischkrauterzeugung und der Raum St. Pölten von wo Europas größtes Sparlager mit Gemüse aus der Region beliefert wird. Zusätzlich ist in fast allen Teilen Niederösterreichs der Anbau von Gemüse anzutreffen, der für die Direktvermarktung und regionale Marktbelieferung seine Bedeutung hat.

Anbau
Der Anbau von Gemüse hat in NÖ schon lange Tradition. Rund um Wien, jedoch besonders im Marchfeld entwickelte sich über Jahrzehnte ein bedeutender Anbau zur Versorgung der Großstadt. Gute klimatische Voraussetzungen, sowie leichte, bewässerbare, für den Gemüsebau gut geeignete Böden unterstützen diese Entwicklung.
Wurden früher eher Gemüsearten der Grundversorgung wie Zwiebeln, Kohlgewächse, Wurzelgemüse, Kartoffel und Kürbis angebaut, so hat sich die Anbaupalette in der heutigen Zeit wesentlich ausgedehnt. Ein breites Sortiment an Salaten, Kräutern, Gemüseraritäten, Spargel und Gemüsearten für die Tiefkühlverarbeitung haben sich mittlerweile etabliert. Viele Gemüsearten, die früher klassische Kulturen des kleinstrukturierten gärtnerischen Gemüsebaus in Wien waren, sind über die Jahre in die Feldgemüsebaugebiete Niederösterreichs abgewandert. Erst durch die Mechanisierung von Produktionsschritten konnten Kulturen, wie z.B. Karotte und Sellerie großflächig angebaut werden.
Heute werden in NÖ an die 60 verschiedene Gemüsearten mit Erfolg kultiviert. Flächenmäßig am bedeutendsten sind  Zwiebel, Karotte, Grünerbse, Bohne, Spinat, Kraut und Spargel.
Verwertung und Vermarktung
Mit einer Gesamtgemüsefläche (ohne Kartoffel) von 7.640 ha liegen ca. 2 Drittel des Freilandgemüseanbaus Österreichs in Niederösterreich. Durch die Übernahme des Tiefkühlverarbeiters Austriafrost durch die Firma Frenzel und die Aktivitäten der Firma Schneider am Standort Großenzersdorf konnten die Anbauflächen in den letzten zwei Jahren um 1.300 ha gesteigert werden.
Geschützter Anbau
Der geschützte Anbau ist in 42 Betrieben zu finden. Durch die in den letzten Jahren stärker werdende Aussiedlung von Gartenbaubetrieben aus Wien ist nunmehr ein starker Trend Richtung neue, große und moderne Gemüsebaubetriebe zu erkennen. In den letzten Jahren entstanden ca. 18 Hektar moderne Glashausflächen, in welchen zum überwiegenden Teil Paradeiser kultiviert werden.
Arbeitsplätze und Absatz
Entgegen allen Befürchtungen kam es nach dem EU Beitritt im Jahr 1995 zu keinem Rückgang bei den Gemüseanbauflächen und den Erntemengen. Der bevorzugte Standort gepaart mit moderner Produktions- und Lagertechnik haben wesentlich dazu beigetragen den niederösterreichischen Gemüsebau trotz der harten internationalen Wettbewerbsverhältnisse zu stärken. Die Produktionssicherheit durch die Bewässerbarkeit von Gemüseflächen spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.
Trotz steigender Anbauflächen kam es jedoch in den letzten Jahren zu einem Rückgang bei der Zahl der Betriebe, die sich mit Gemüsebau beschäftigen. Gleichlaufend wie in anderen Bereichen der Landwirtschaft ging im Zeitraum zwischen 1998 und 2005 die Anzahl der Gemüsebaubetriebe in Österreich um 24 % zurück. Dieser Trend ist ebenso deutlich in NÖ zu beobachten. Aufgrund der massiven Konzentration im LEH und den gestiegenen Anforderungen bei Logistik und Qualitätssicherung ist es kleinen Betrieben nur erschwert möglich die Produktion aufrecht zu erhalten. In der Statistik ist ein deutlicher Trend zu größeren Betrieben abzulesen. 89% der NÖ Gemüseflächen sind derzeit auf Betrieben mit mehr als 5 ha Gemüseanbau zu finden. Da sich die Tendenz zu größeren Anbauflächen auch bei sehr arbeitsintensiven Gemüsekulturen zeigt, gab es seit 1998 eine Zunahme bei Saisonarbeitskräften und Erntehelfern von 41%. Gleichzeitig kam es in diesem Sektor zu einem  Rückgang bei familieneigenen Arbeitskräften.
Wie es scheint, wird Qualität vom österreichischen Konsumenten geschätzt. Unterstützt durch das gestiegene Bewusstsein für gesunde Ernährung ist der Pro-Kopfverbrauch im Jahr seit 1994 um 17 kg auf 102,8 kg gestiegen. Eingekauft wird das Gemüse in den meisten Fällen im Lebensmitteleinzelhandel. Ca 89 % des in Österreich verzehrten Gemüses geht über die Ladentische von Spar, Billa, Hofer und Co. Untergeordnet  mit 5,8% wird auf Märkten eingekauft. Ein Einkaufssegment, das oft etwas überschätzt wird, ist die Abhof-Vermarktung, über die nicht ganz 3% des Gemüses abgesetzt werden.
Umweltfreundliche und Biologische Produktion
Statistisch wird die Bioproduktion im Gemüseanbau derzeit noch nicht erfasst. Ihr Anteil an der Produktionsfläche bewegt sich zwischen 10 -15%. NÖ flächenstärkste Biokulturen, die auch gezielt für den Export angebaut werden, sind derzeit Zwiebel und Karotte. Das in den letzten Jahren gestiegene Interesse des Lebensmitteleinzelhandels inkl. der Discounter an Biogemüse hat wesentlich zu diesem hohen Anteil an der Gesamtproduktion beigetragen.
Die integrierte Produktion von Gemüse ist in NÖ die häufigste Produktionsweise. Das Umweltprogramm  trug in den letzten Jahren wesentlich zu einer raschen Verbreitung bei. Mittlerweile werden ca. 80-85% des heimischen Gemüses unter diesem Standart erzeugt und zu einem großen Teil unter dem Markenzeichen des AMA Gütesiegels angeboten. Für den Konsumenten ist somit das AMA- Gütesiegel ein deutliches Erkennungssymbol für Gemüse, welches nach der Richtlinie der Integrierten Produktion erzeugt wurde und sollte ein wichtiges Kaufargument darstellen.